Ein Ort mit 
Geschichte und Herz





 


Eine 
Geschichte in Bewegung

Der Alte Bahnhof Sichtigvor ist kein Ort, der einfach entstanden ist. Er ist gewachsen – über mehr als ein Jahrhundert hinweg. Seine Geschichte beginnt lange bevor der erste Zug fährt.

 

 

 

Ab 1880 – Die Idee

Ab etwa 1880 entstehen erste Überlegungen für eine Bahnstrecke durch das Möhnetal – von Brilon nach Soest.
Die Region soll angeschlossen werden, wirtschaftlich wachsen, erreichbar werden.

 

1895 wird der Bau beschlossen.


Die Strecke Soest – Belecke – Brilon wird von der 

damaligen Warsteiner Lippstädter Eisenbahn geplant, 

finanziert mit Kapital aus den umliegenden Gemeinden und der Provinz Westfalen.

Das Investitionsvolumen: 3.424.000 Mark.

1896 wird aus der Gesellschaft die 

Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE).
Im selben Jahr folgen die Konzessionen für mehrere Strecken – die Planung wird konkret.

Auch für Mülheim-Sichtigvor entsteht ein 

Bahnhofskonzept.
Doch dieses trifft auf Widerstand.


1896–1897
Der 
Wendepunkt

 

Die geplante Trasse verläuft direkt durch das Grundstück der 

Familie Plesser-Davids.

Die Witwe Theresia Plesser widerspricht.

Sie warnt vor Funkenflug, vor Brandgefahr, vor Lärm, vor Ruß – vor den Auswirkungen auf ihr 

Zuhause und ihre Familie.

Und sie setzt sich durch.

1897 müssen die Planungen geändert werden.

Aus dieser Situation entsteht eine ungewöhnliche Lösung:

Nicht die Bahn verdrängt den Hof –
der Hof wird Teil der Bahn.

Das bestehende Gebäude wird umgebaut:
Wartesaal, Diensträume, Bahnhofsgaststätte.

Und gleichzeitig bleibt es ein privates Haus.

Ein Sonderfall:
der einzige Bahnhof im gesamten WLE-Netz in Privatbesitz.

 

 

1898–1899 

Der Anfang

 

Am 10. Januar 1898 stimmt die WLE der neuen 

Planung zu.
Noch im selben Jahr beginnen die Umbauarbeiten.

Ende Juni 1899 ist der Bahnhof fertig.

Doch das Leben beginnt schon vorher:

Am 1. August 1899 eröffnet die Familie Plesser die Bahnhofsgaststätte.
Drei Tische. Zwölf Stühle.
Die ersten 160 Liter Bier kommen von der 

Warsteiner Brauerei Caspar Cramer – 

für 17 Pfennig pro Liter.

Vier Monate später, am 1. Dezember 1899, fährt der erste Zug.

Eine jubelnde Menschenmenge steht am Bahnhof.
Der Ort ist plötzlich verbunden.

Ein Ort im Zentrum des Lebens

1900 - 1917 

Der Bahnhof entwickelt sich schnell.

Die Ladestraße wird täglicher Umschlagplatz für:

  • Eisenwaren der Kettenindustrie
  • Grubenholz
  • Koks und Kohle
  • landwirtschaftliche Produkte

Gleichzeitig wächst die Gaststätte.

1904: rund 100 Gäste täglich.
Reisende, Arbeiter, Dorfbewohner.

Der Ort ist Verkehrspunkt, Arbeitsplatz und Treffpunkt zugleich.

1903 zeigt sich, wie stark er im Dorf verankert ist:
Beim „Sichtigvorer Zapfenstreich“ stellen sich die Bewohner geschlossen hinter die Wirtin, als eine strenge Polizeistunde durchgesetzt werden soll – und gewinnen.

Hier geht es nicht nur um einen Bahnhof.
Hier geht es um Gemeinschaft.

1917 stirbt Theresia Plesser.



1923–1945

 

 

1923 wird Thea Plesser geboren.
Sie wird später die Geschichte des Hauses weiterführen.

1942 heiratet sie Josef Hillebrand. Gemeinsam führen sie die Wirtschaft.

Dann folgen schwere Jahre:

  • 1943: Brand durch Blitzschlag – das Gebäude wird fast vollständig zerstört
  • Februar 1945: Fliegerbombe trifft das Nachbarhaus, vier Menschen sterben

Und trotzdem:

Am 15. Oktober 1945 fährt die Bahn wieder.

Der Ort bleibt.

 

 

Höhepunkt und Ende der Bahn

1957–1970

1957 erlebt die Strecke noch einmal einen Höhepunkt:
Der „Kiepenkerl Express“ verbindet Münster mit Bad Wildungen.

Doch der Wandel ist nicht aufzuhalten:

  • 28.05.1960 – Ende des Personenverkehrs
  • 1969 – letzte Sonderfahrt mit Dampflok (organisiert von Peter Hillebrand)
  • 17.04.1970 – Ende des Güterverkehrs

Die Gleise verschwinden.

Was bleibt, ist der Ort.

1975–1994

Ein neuer Kontext

1975 entsteht auf der ehemaligenStrecke der Möhnetalradweg.

Aus Zügen werden Fahrräder.
Aus Durchgangsverkehr wird Aufenthalt.

Der Bahnhof wird zum Ausflugsziel.

1994 endet eine lange Ära:
Thea und Josef Hillebrand geben den Betrieb im Alter von 86 und 71 Jahren auf.

Die Räume bleiben bestehen – unverändert.


1998–2004 
Wiederbelebung

Am 1. Juli 1998 eröffnet Helmut Schuller die Bahnhofsgaststätte wieder – als Garten Café.

1999–2004 übernimmt Peter Hillebrand den Betrieb und führt ihn als saisonales Sommerlokal weiter – besonders für Radfahrer.

 

Der Ort findet erneut seine Rolle.

 

 

Ab Mai 2004 
Die Ära 
Thomas Schulte

Im Mai 2004 übernimmt Thomas Schulte die Gaststätte.

Er gibt ihr den Namen:
„Alter Bahnhof Sichtigvor“

Über mehr als 20 Jahre prägt er den Ort.
Für viele Menschen wird der Alte Bahnhof in dieser Zeit zu genau dem, was er heute noch ist:

Ein fester Bestandteil der Region.


2019 - 2024

Die Idee
Den Alten Bahnhof nicht neu erfinden –
sondern weiterentwickeln.

  • fünf Ferienwohnungen
  • modernisierte Gastronomie

Übergang und Neuanfang

2019 wird das Gebäude von Gordon Eickhoff gekauft.
2020 wird der Biergarten am Möhnetalradweg weiter ausgebaut.

Dann folgt der nächste Schritt:

2024 gründen Johannes Budeus und Gordon Eickhoff die R1 Grundbesitz eGbR. Im August 2024 beginnen die Bauarbeiten.

Am 11.11.2024 endet die Ära von Thomas Schulte – sein letzter Öffnungstag nach über zwei Jahrzehnten.

Ein prägendes Kapitel schließt sich.

Seit 2025 übernimmt die neu gegründete R1 Betrieb GmbH – getragen von Lauren und Johannes Budeus, 

Gordon Eickhoff und Yvonne Köster – den Betrieb des 

Gebäudes sowie der Ferienapartments.

 

Das nächste Kapitel

2025 - 2026

Der Ort verändert sich erneut – wie schon so oft zuvor.

Frühjahr 2025:
Der Biergarten wird an verschiedene Pächter vergeben.

November 2025:
Die Gastronomie wird neu übernommen – von
Björn van der Burg und Lina „Polly“ Schütz Sülberg.

Eine neue Generation von Gastgebern beginnt.

Ab April 2026:
Die Ferienwohnungen werden durch die Familien Budeus und Eickhoff vermietet.


Heute

Der Alte Bahnhof Sichtigvor war nie nur eines:

Bauernhof.
Bahnhof.
Gaststätte.
Umschlagplatz.
Radwegstation.

Und heute:

Ein Ort, der all das in sich trägt.

Was sich durchzieht, ist nicht eine feste Nutzung –
sondern die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden.

Und genau deshalb ist seine Geschichte nicht vorbei.

Sie geht weiter.

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